Das Ende einer Monarchie

Lo und das benachbarte Dolpo wurden im Zuge der Eroberungen der zentral-tibetischen Yarlung Dynastie anfangs des 8. Jahrhunderts des daraus entstehenden Tibetischen Reiches. Später, ca. ab dem 10. Jahrhundert wurden beide Gebiete ein Teil des Königreiches Purang in Westtibet. Um Mitte des 10. Jahrhunderts geriet Lo unter die Kontrolle des damals im Norden neu gegründeten Königreiches Gungthang. Das im Westen neu entstandene Königreich Jumla kämpfte im 14. Jahrhundert gegen Gungthang und übernahm phasenweise die Herrschaft über Lo.

Gegen 1400 kam Amepa, der Gründer und erste König des Lo-Reiches an die Macht. Er soll ein Nachkomme des ehemaligen Gungthan-Reiches sein, dessen Abstammung bis in die Yarlung-Dynastie, dem Beginn des Tibetischen Reiches zurückgehen soll. Es folgte ein religiöser Aufschwung und rege Handelstätigkeiten auf der Nord-Süd Achse. Obschon in der Folge noch weitere Konflikte mit Ladakh und Jumla, sowie weiteren Fehden stattfanden, konnte sich Lo zu einem mehr oder weniger stabilen Königreich entwickeln, das jedoch den jeweiligen Machthabern Tribut zahlen musste. Im 18. Jahrhundert, nachdem die Gorkha-Könige das Kathmandutal erobert hatten, fiel auch Mustang an die Gorkhas und wurde in der Folge ein Teil Nepals.

Die Besetzung von Tibet durch die Volksrepublik China im Jahre 1950 blieb nicht ohne Folgen für das Königreich. Die Aktivitäten der von Mustang aus operierenden tibetischen Freiheitskämpfer führten im Grenzgebiet zu Mustang zu einer instabilen politischen Lage. Diese gipfelte in der Schliessung der Grenzen, was den Zusammenbruch der Handelsroute von Tibet, durch das Königreich, nach Indien zur Folge hatte. Das Königreich Mustang geriet zusehends in die Isolation.

Heute ist Mustang als nördlicher Teil des Distrikts Dhaulagiri in die politische Landkarte Nepals integriert. Die Monarchie lebte de facto noch bis im Sommer 2008 als Königreich von Lo fort. Die jetzige nepalesiche Regierung hat die Tradition der Rajas (Könige) in Nepal und somit auch im Königreich Mustang beendet. Der ehemalige König Jigme Palbar Bista regierte seit der 25. Generation und geniesst weiterhin hohes Ansehen in der Bevölkerung trotz der Aberkennung seines Raja-Titels.

Himalaya's Children - Kloster in Upper-Mustang mit den typischen Sakya-Farben grau-weiss-rot Himalaya's Children - Ehemalige Wohnhöhlen im Königreich Mustang Himalaya's Children - Ruinen am Kali-Gandaki Fluss.